7 April 2026
Eine Botschaft von Herzen… (Teil 1)
In letzter Zeit sehen wir immer häufiger Beiträge in den sozialen Medien, die auf den ersten Blick „beeindruckend“ wirken… Fotos von Pferden mit extrem langen Haken („ramps“), die in einer einzigen Behandlung drastisch gekürzt werden.
Für viele Pferdebesitzer oder -liebhaber mag das vielleicht so erscheinen:
„Wow, was für eine unglaubliche Arbeit!“
„Dieses Pferd ist endlich von Schmerzen befreit!“
Aber die Realität ist… deutlich nuancierter.
Ja, es kann sein, dass ein Haken mechanisch im Weg war und das Fressen erschwert hat.
Und ja, an diesem extremen Haken muss etwas getan werden.
Aber das bedeutet absolut NICHT, dass dieses Pferd „sofort gerettet“ ist. Im Gegenteil.
In Zähnen befinden sich Nerven. Diese werden durch eine dünne Schicht Dentin auf der Kaufläche geschützt. Diese Schicht wird allmählich als Reaktion auf natürlichen Verschleiß aufgebaut.
Wenn ein Zahn sich nicht korrekt abnutzt und Haken entstehen, bleibt diese Schutzschicht an diesen Stellen ebenfalls relativ dünn (wir sprechen hier von Millimetern!!).
Was passiert also, wenn jemand diesen Haken in einem Schritt drastisch abschleift?
Diese dünne Schutzschicht wird einfach… entfernt.
Der Zahn bekommt keine Zeit, sich selbst zu schützen.
Die vitalen, nervenhaltigen Teile (primäres Dentin oder sogar der darunterliegende Nerv) des Zahns werden plötzlich freigelegt oder durch die Hitze der Feile beschädigt.
Und das bedeutet:
❗ Extreme Empfindlichkeit
❗ Intensive Schmerzen (vergleichbar mit Zahnschmerzen bei warm/kalt – aber um ein Vielfaches schlimmer)
❗ Risiko von Infektionen
❗ Mögliche Schädigung der Pulpa (das Innere des Zahns)
Diese Art von Schmerz wird in der Humanmedizin als eine der intensivsten überhaupt angesehen. Versuchen Sie sich also vorzustellen, was diese Pferde fühlen müssen…
Also nein… das ist nicht:
„schöne Arbeit“
„beeindruckend“
„eine Rettung“
Es ist vielleicht ein spektakuläres Vorher-Nachher-Bild.
Aber es ist KEINE qualitativ hochwertige Zahnbehandlung und stellt die Problematik viel zu vereinfacht dar.
Zahlreiche andere Erkrankungen werden oft übersehen und kommen häufig vor.
An erster Stelle steht schwere Parodontitis (Zahnfleischentzündung) bei unseren Pferden. Darüber sieht man in den sozialen Medien kaum etwas.
Echte Zahnmedizin bedeutet Respekt für die Anatomie, gründliche Untersuchungen, schrittweise Korrekturen und gute Dokumentation, den Schutz des Zahns und vor allem… das langfristige Wohlbefinden des Pferdes.
Wir würden uns so sehr wünschen, dass mehr Menschen das verstehen.
Dass wir aufhören, sensationelle Bilder zu verherrlichen und weniger schwarz-weiß denken.
Dass „Likes“ niemals wichtiger werden als das Wohl eines Tieres.
Denn hinter einem solchen „Wow-Post“… steckt oft ein Pferd mit Schmerzen.
Hier finden Sie einen Auszug aus einem wissenschaftlichen Artikel von Dixon et al., weltweit renommierten Tierärzten, in dem auf Englisch klar erklärt wird, welche Gefahren mit einer solchen Vorgehensweise verbunden sind.
FAQ
1. Warum ist das schnelle Abschleifen von Zahnhaken problematisch?
Weil dabei die schützende Dentinschicht entfernt wird, wodurch Nerven freigelegt und starke Schmerzen sowie Schäden verursacht werden können.
2. Bedeutet das Entfernen eines Hakens, dass das Pferd geheilt ist?
Nein. Das Problem ist oft komplexer, und eine sofortige drastische Behandlung kann mehr Schaden als Nutzen bringen.
3. Was zeichnet eine gute Pferdezahnbehandlung aus?
Gründliche Diagnostik, schrittweise Korrekturen, Schutz der Zahnstruktur und Fokus auf das langfristige Wohl des Pferdes.