Prä- und postoperative Medikation in der Zahnheilkunde beim Pferd

13 Juli 2025

Prä- und postoperative Medikation in der Zahnheilkunde beim Pferd

Antibiotika und Zahnprobleme beim Pferd: Was sagt die Wissenschaft?

Bei Pferden mit (sekundärer) Sinusitis oder Zahnproblemen wird häufig angenommen, dass Antibiotika für die Behandlung notwendig sind. „Neue“ wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass dies oft nicht der Fall ist. In diesem Artikel möchten wir sowohl Pferdebesitzer als auch überweisende Tierärzte über die Wirksamkeit von Antibiotika bei Zahnextraktionen und sekundärer Sinusitis sowie über die Bedeutung eines guten Entzündungs- und Schmerzmanagements mittels NSAIDs informieren.

Im Jahr 2025 ist es zudem nicht mehr vertretbar, Antibiotika als erste Maßnahme einzusetzen. Antibiotikaresistenzen bei Mensch, Tier und in der Umwelt stellen ein reales und weit verbreitetes Problem dar, das wir nicht länger ignorieren dürfen. Ein bewusster und zurückhaltender Einsatz von Antibiotika ist daher unerlässlich. Der Einsatz von Antibiotika ist nur in spezifischen Fällen gerechtfertigt und wird von den Behörden streng reguliert.

Antibiotika: Häufig verwendet, aber nur begrenzt wirksam bei Zahnextraktionen beim Pferd

Zahnextraktionen bei stehenden Pferden werden von vielen Tierärzten (zu) häufig mit einer peri-/postoperativen Antibiotikagabe kombiniert. Eine große retrospektive Studie (Christiansen et al., 2022) und eine Literaturübersicht (Brinhol Souza et al., 2022) zeigen jedoch, dass bei Standardextraktionen über das Maul Antibiotika keinen signifikanten Einfluss auf das Risiko postoperativer Komplikationen hatten. Von den 264 Pferden, die eine orale Extraktion erhielten, traten Komplikationen bei 18,4 % der Tiere mit Antibiotika gegenüber 16,3 % ohne Antibiotika auf – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Zudem besteht bei der Gabe von Antibiotika beim Pferd das Risiko schwerer Komplikationen wie lebensbedrohlichem Durchfall (Kolitis).

Bei einer weniger gängigen Technik, der minimal-invasiven transbuccalen Extraktion (MTE), zeigte sich hingegen eine höhere Komplikationsrate bei Pferden ohne Antibiotika. Dieser Befund war klinisch relevant, jedoch statistisch nicht gesichert – weitere Forschung ist daher notwendig.

Eine andere Studie zu Pferden mit Sinusitis infolge von Zahnproblemen kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Heilung nach Extraktion des betroffenen Zahns war bei Pferden, die Antibiotika erhielten, nicht höher als bei solchen ohne Antibiotika (62,5 % vs. 60 % erfolgreiche Behandlung ohne weiteren Therapiebedarf).

NSAIDs (Entzündungshemmer): Unverzichtbar in der präoperativen Vorbereitung der Zahnextraktion beim Pferd

Während Antibiotika nur begrenzten Nutzen zeigen, erweisen sich nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) in mehreren Punkten als äußerst wertvoll:

  • Sie reduzieren die lokale Entzündung rund um den betroffenen Zahn oder in der Kieferhöhle.

  • Sie verbessern die Wirkung der Lokalanästhesie, was für Zahnextraktionen im Stehen unerlässlich ist.

  • Sie tragen zu einer besseren postoperativen Schmerzbehandlung bei.

Wir empfehlen überweisenden Tierärzten daher, rechtzeitig mit der Gabe von NSAIDs vor der Zahnextraktion zu beginnen. Dies kann den Komfort des Pferdes erhöhen und den Eingriff erleichtern.

Fazit zu Antibiotika und NSAIDs bei Zahnextraktionen beim Pferd

Obwohl Antibiotika lange Zeit ein fester Bestandteil der Behandlung bei Zahnproblemen und Sinusitis waren, zeigen aktuelle Studien, dass ihr Nutzen bei Standardextraktionen begrenzt ist. NSAIDs spielen hingegen eine entscheidende Rolle bei der Schmerztherapie und der Optimierung der Lokalanästhesie.

Darüber hinaus ist es aus gesellschaftlicher Sicht im Jahr 2025 nicht mehr vertretbar, Antibiotika routinemäßig einzusetzen. Die weltweite Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen verlangt nach einem bewussten und fundierten Einsatz dieser Mittel. Natürlich gibt es weiterhin eine Minderheit komplexer oder hochgefährdeter Patienten, bei denen eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig ist.

Equide behandelt jeden Patienten individuell mit einem maßgeschneiderten Behandlungsplan. Der Fokus liegt auf der Behandlung des primären Problems, dem Einsatz nicht oder minimal invasiver Techniken und einer korrekten Nachsorge.

Wir stehen selbstverständlich weiterhin für Fallbesprechungen oder Unterstützung bei Überweisungen zur Zahnextraktion zur Verfügung.


Fragen oder Fall besprechen?

Kontaktieren Sie uns gerne für ein Beratungsgespräch oder zur Planung/Besprechung einer Überweisung.




FAQ

1. Was ist der Unterschied zwischen prä- und postoperativer Medikation in der Pferdezahnmedizin?
Vor dem Eingriff erhält das Pferd Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung, meist ein NSAID wie Metacam (Meloxicam). Nach dem Eingriff wird die Behandlung fortgesetzt, um die Heilung zu unterstützen. Antibiotika werden nur in Ausnahmefällen eingesetzt.

2. Welche Medikamente werden am häufigsten eingesetzt?
Das am häufigsten verwendete Präparat ist Metacam (Meloxicam), ein wirksames Mittel gegen Schmerz und Entzündung. Antibiotika kommen fast nie zur Anwendung, nur in sehr seltenen Sonderfällen.

3. Warum ist eine postoperative Medikation so wichtig?
Mit einem Entzündungshemmer wie Metacam verläuft die Genesung deutlich angenehmer, das Pferd nimmt schneller wieder Futter auf, und Komplikationen werden reduziert.


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